Foto: ®Frederic Frognier von Unsplash
Was heißt Erschöpfung? Nehmen Sie sich Zeit zum Erholen, machen Sie zwischendurch einen Kurzurlaub, Wellness, betreiben Sport und Ähnliches, aber Sie merken, dass die Erholung nicht mehr wirklich in Ihrem Körper ankommt? Das ist das Ergebnis der Erschöpfung. Sie nehmen sich die Zeit, aber der Körper merkt es nicht mehr. Obwohl Sie z.B. auf Kur waren, sich eine Auszeit gegönnt haben, merkt es der Körper nicht mehr. Der Grund ist folgender. Die Neurobiologie sorgt in Ihrem Zustand dafür, dass sich Ihre Synapsen nicht mehr verschalten. Um in die Entspannung zu kommen müssen sich die Synapsen verschalten. Wenn der Stress sich aber derart gespeichert hat in Ihrem Gehirn, dass sich die Synapsen nicht mehr verschalten, fühlen Sie sich erschöpft.
Bild: ©Mayo Foundation for Education and Research.
Das Gehirn arbeitet unter Stress nur einseitig aktiv, nicht länger kooperativ und die Verknüpfungen sind gestört. Wir fühlen uns erschöpft, antriebs- und energielos. Die Flexibilität der Gedanken und der Zugriff auf andere Areale wird schwerfälliger.

Wenn Sie jetzt auf diesem hohen Stressniveau einfach weiter machen, trotz z.B. Joggens und all der anderen Wohltätigkeiten, die Sie sich gönnen, sich letztendlich kein gutes Gefühl einstellt, dann kann es passieren, dass organische Schäden die Folge sind, Kreislaufprobleme, Bandscheibenvorfälle bis hin zu Infarkten. Und ein Burnout rechtzeitig zu bekommen ist nichts anderes, als dass der Schutzschalter gedreht wird, damit der Körper nicht weiter ruiniert wird.

In diesem Artikel erkläre ich Ihnen anhand unserer Stressbiologie, warum Sie vielleicht in Ihrer Kraft heute eingeschränkt sind, Ihre volle Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit nicht mehr abrufen können. Ohne dieses Verständnis ist es schwer, den richtigen Weg zu mehr Wohlbefinden zu wählen.

Unsere Stressbiologie

 

Alles, was wir von Außen über unsere Sinnesorgane an Informationen aufnehmen – über unsere Augen, Ohren, Nase, Mund und Hände – kommt in der sogenannten Amygdala an. Die Amygdala sitzt im Emotionszentrum und macht jetzt Folgendes: Sie gleicht das, was wir jetzt gerade erleben/die Eindrücke mit der Großhirnrinde ab. Das ist jener Bereich, wo unsere Erfahrungen sitzen, unsere guten und weniger guten Erlebnisse, das was wir richtig oder falsch gemacht haben, unsere sogenannten Vergangenheiten und ja natürlich auch unsere Kindheit.

Sie holt sich also die Information vom Langzeitgedächtnis wie z.B.

> ist es für mich jetzt feindlich,
> ist es freundlich,
> bereitet es mir Sorgen,
> bin ich in Gefahr,
> ist jemand in Gefahr und ich kann nicht helfen,
> kann ich die Aufgabe bewältigen,
> ist das eine kleine oder große Herausforderung etc.

und sendet unmittelbar danach ein Signal an den Körper.

Wenn die Amygdala die Information geholt hat, dann steigt bei uns im Körper das Adrenalin und es beeinflusst unsere Gefäße, denn diese Gefäße gehen in dem Moment in die angemessene Anspannung. Das passiert in 
ca. 0,008 Sekunden. Wir haben jetzt eine entsprechende Reaktion im Körper mit der richtigen Dosis Adrenalin, die zur Bewältigung der Aufgabe zur Verfügung gestellt wird. Wird die Situation als nicht gefährlich eingestuft, werden die Sinnesreize weitergeleitet an den Hippocampus, dort sortiert und gebündelt und wiederum weitergegeben an das Broca-Zentrum (Sprachzentrum). Dies geschieht blitzschnell in ca. 0,04 Sekunden.

Hier können die Informationen in Sprache übersetzt und dann in der Großhirnrinde, im Langzeitgedächtnis, abgespeichert werden. Unsere Sinneswahrnehmungen müssen durch den Kanal des Hippocampus durch, sonst gelangen sie nicht auf die andere Hirnseite, zu unserem Sprachzentrum und letztendlich zu unserem Langzeitgedächtnis. Warum? Um darüber reden zu können, was ich gerade erlebt habe, muss es auf die andere Hirnseite; um meinen Verstand zu benutzen, um die Situation mit meinem Verstand zu beurteilen, zu bewerten und zu bewältigen, muss es auf die andere Hirnseite. Vorher haben wir nur eine Reaktion im Körper.

Was passiert bei Stress bzw. Dauerstress?

 

Ich mach das jetzt einmal an einem Beispiel fest: Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Raum mit anderen Menschen und es kommt ein Hund rein, sagen wir ein Schäferhund. Vielleicht freuen Sie sich, weil Sie Schäferhunde lieben, dann geht hier bei Ihnen vielleicht ein Wohlfühlgefühl los. Vielleicht haben Sie eine andere Erfahrung gemacht und deshalb ein anderes Anspannungsgefühl, ausgedrückt durch einen anderen Adrenalin- und Cortisollevel. Sollten Sie schon einmal die Erfahrung gemacht haben, von einem Hund angefallen worden zu sein, dann schießt Ihr Adrenalinspiegel nur aufgrund der Anwesenheit des Hundes von Normal auf das 10 bis 15fache Maß hoch. Wenn der Hund zufällig Sie aussucht und anspringt, dann haben wir ca. die 40fache Dosis an Adrenalin, das Ihr Körper ausschüttet.

Das wurde gemessen an Menschen, die mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug gesprungen sind. Damit wir diesen hohen Adrenalinlevel überhaupt aushalten und nicht sterben, schießt auch immer das Cortisol mit hoch. Es steigt immer beides.

 Sind nun der Adrenalin- und Cortisolspiegel durch intensiven, andauernden Stress („der Hund fällt sie jeden Tag an“, intensiven Stress am Arbeitsplatz oder in der Beziehung) und fehlende Entspannung ständig erhöht, greift das Cortisol direkt auf die Bahnen zwischen Amygdala und Hippocampus ein, und zwar in den synaptischen Verbindungen der Nervenbahnen mit entsprechend negativen Konsequenzen.

In dem Maße wie das Cortisol in die synaptischen Verbindungen unserer Nervenzellen eingreift und unser Gehirn verändert, verlieren wir unsere Denk- und unsere Regenerationsfähigkeit. Was ist denn letztendlich unsere Regenerationsfähigkeit? 
Was brauchen wir um morgens fit und vital aufzuwachen und das Leben begrüßen zu können? – Unseren Schlaf. Warum ist der Schlaf so wichtig? Was passiert wenn wir schlafen? Wenn wir schlafen und tief träumen, dann bewegen sich die Augen unter den Lidern hin und her, ohne dass wir etwas mitbekommen.

Cortisol wirkt in den synaptischen Verbindungen.
Dadurch wird der Stoffwechsel angeregt, was zur Folge hat, dass der unverarbeitete Stress, der in der Grafik rot gekennzeichnet ist (die Punkte zwischen Amygdala und Hippocampus), verarbeitet wird. Nur so können die noch nicht verarbeiteten Erlebnisse des Tages den Hippocampus passieren und in unserem Langzeitgedächtnis als eine Erfahrung mehr abgelegt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Immunbotenstoffe nachts steigen. Diese steigen aber nur, wenn das Cortisol abends auf ein normales Maß sinkt.

Dass es mit dem Schlaf nicht mehr so klappt, hängt biologisch damit zusammen, dass die Immunbotenstoffe nachts nicht ausreichend hoch steigen, weil das Cortisol einen zu hohen Wert aufweist. Das Cortisol schießt in die synaptischen Verbindungen der Nervenzellen ein und verändert das, wie die Information, die von außen reinkommt, weitergeleitet wird. Das kann so weit gehen, dass es für einen kurzen Moment sogar blockiert hat. D.h. es geht Information rein, aber sie bleibt hier stecken. Das, was hier rein kommt, ist nicht mehr das, was über Hippocampus bis zum Langzeitgedächnis weitergeleitet wird. Die Nervenzellen leiten unter Stress nur mehr fragmentiert. Durch das Cortisol verändern sich die Wahrnehmung (das Zeitgefühl, die Empfindungen) und die Geschwindigkeit, mit der die Informationen verarbeitet werden.

In einer bestimmten Phase des Dauerstresses können dann sogar noch Endorphine (=körpereigene Morphiumstoffe) freigesetzt werden, die bewirken, dass Sie ihren Zustand sogar noch als angenehm empfinden. Sie kommen mit viel weniger Stunden Schlaf aus, haben aber mittlerweile den Bezug zu Ihrem Körper und letztendlich Ihre Identität und eine realistische Einschätzung von der Wirklichkeit verloren.

Wie äußert sich das im Betroffenen? 

Wenn Sie…

 

a) jetzt vielleicht nicht mehr in Ihre Kraft kommen,
b) die Konzentration nicht mehr dieselbe ist,
c) nicht klar denken können,
d) Ihr Verhalten nicht länger steuern können,
d) und letztendlich zu wenig oder gar nicht gut schlafen,

dann hat das hier seine Ursache.

 

Die Immunbotenstoffe braucht der Körper, damit Sie müde werden und schlafen können und damit die Zellregenerierung, das Abwehren von Krankheiten, das Stärken des Immunsystems stattfindet. D.h. die Immunbotenstoffe müssen nachts ansteigen.
Durch Dauerstress und fehlende Entspannung kann Ihr Cortisolspiegel nachts nicht mehr absinken, Ihr Schlaf ist nicht ausreichend und/oder wirklich erholsam, und Ihre Immunbotenstoffe haben keine Zeit mehr zu wirken. Ein Teufelskreislauf mit entsprechenden Folgen.

Die gute Nachricht ist, dass Sie selbst diesen Kreislauf durchbrechen und Ihr System wieder in Balance bringen können. Mit Hilfe der Neuroimagination® lassen sich die Hormonwerte wieder normalisieren, sodass Sie wieder in die Regeneration kommen. Mit dieser Methode können Sie gezielt auf Ihre Stresshormone einwirken, damit Dauerstress und fehlende Entspannung erst gar nicht zum Thema werden. Wenn Ihre natürliche Fähigkeit Stress abzubauen verloren gegangen ist, d.h. Ihre Selbstregulationsfähigkeit, weil der Ausgleichspunkt überschritten und es zu einer Neuroimmunologiestörung gekommen ist, dann wirken selbst Yoga, Meditation, Wellness, Achtsamkeitsübungen und Ähnliches nur mehr bedingt, wenn überhaupt. Und in bestimmten Fällen können diese Methoden gefährlich werden. Vor allem für Menschen mit unter anderem “Emotionaler Instabilität und posttraumatischen Belastungsstörungen” sagt Psychologe Ulrich Ott vom Bender Institute of Neuroimaging der Universität Gießen.

FASSEN WIR ZUSAMMEN:

Stress ist ein hormoneller Vorgang. Erst das ausbalancierte Zusammenspiel von Anspannung und Entspannung macht stark und hält uns gesund. Der Wechsel von Anspannung und Entspannung unserer Stresshormone und Immunbotenstoffe hält uns fit und gesund. Das Verhältnis wird in der Regel durch den Schlaf und Erholungsphasen sichergestellt.

®Horst Kraemer
Wenn eine Aufgabe von uns wahrgenommen wird, dann steigt unser Antriebsstoff Adrenalin. Dieser Betriebsstoff sorgt für die nötige Kraft, um die Aufgabe zu bewältigen. Der Vorgang, bei dem das entstandene Adrenalin in Kraft umgesetzt werden kann, erzeugt den gesundheitserhaltenden und vitalisierenden Zustand, in dem unsere Selbstregenerationskräfte wirken können: Wir vitalisieren uns selbst.
Wenn das Adrenalin nicht zeitnah in Aktivität umgesetzt werden kann, dann baut sich Cortisol in einem hohen Maße auf. Das Cortisol ermöglicht ein Überleben mit gesteigerter Adrenalinausschüttung ohne -verarbeitung. Der Zustand ist kein Problem, sondern bietet die Basis für kurzzeitige Höchstleistung. Wenn nach Beendigung des Zustandes Entspannung eintritt, normalisiert sich der Hormonhaushalt in wenigen Tagen. Wenn der Zustand länger als drei Tage anhält, dann beginnt die Selbstregulation des Menschen zu leiden.
®Horst Kraemer
®Horst Kraemer
Die Stressauswirkung zeigt Folgen und die Spirale beginnt. Ist der Hormonhaushalt über längere Zeit nicht in Balance oder gerät er schlagartig aus dem Gleichgewicht, dann leiten Nerven nur mehr fragmentiert und es entsteht eine Neurostressfragmentierung (NSF). Der Mensch kommt in einen neurobiologischen Ausnahmezustand und verliert den Realitätsbezug.

Mit diesem kurzen Einblick in die Stressbiologie hoffe ich, dass Sie die wissenschaftliche Basis und die neurobiologischen Zusammenhänge in Bezug auf (Dauer) Stress besser verstehen. Denn nur so ist es möglich die Stressfalle dauerhaft zu verlassen.

Vielleicht ist es für Sie dadurch auch einfacher zu verstehen, warum bestimmte Dinge, die Sie für Ihre Gesundheit tun, mehr oder weniger gut wirken.

 

Links:
Homepage Neuroimagination
Artikel zum Thema Achtsamkeit in der Zeit
Artikel als pdf
Homepage Brainjoin

Pin It on Pinterest

Share This